Die USA haben Stablecoins auf die nationale Agenda gehoben: Mit der Unterzeichnung des GENIUS Act am 18. Juli 2025 führt Washington erstmals ein umfassendes Bundesgesetz für Payment Stablecoins ein. Das Gesetz legt strenge Vorgaben zu 1:1-Reservedeckung, Emittentenlaubnissen und Insolvenzschutz fest und sendet zugleich ein klares geopolitisches Signal zugunsten des US‑Dollars. Für Regierungen, Zentralbanken und Unternehmen in Europa sind die Folgen erheblich.
Der folgende Bericht erklärt, was der GENIUS Act regelt, welche Akteure betroffen sind und welche Konsequenzen sich für Finanzstabilität, Wirtschaftspolitik und die internationale Rolle des US‑Dollars ergeben.
Was der GENIUS Act über Payment Stablecoins festlegt
Regulatorischer Kern und Zulassungswege
Der GENIUS Act definiert Payment Stablecoins als digitale Vermögenswerte, die für Zahlungen vorgesehen sind, an eine Währung gekoppelt sind und vom Emittenten zur Einlösung verpflichtet werden. Ausdrücklich ausgeschlossen bleiben CBDCs und klassische Bankguthaben.
Nur geprüfte Emittenten — sogenannte Permitted Payment Stablecoin Issuers — dürfen in den USA Stablecoins ausgeben. Dazu zählen Tochtergesellschaften versicherter Banken, federal oder state qualified issuers mit spezieller Zulassung. Ohne Genehmigung ist die Emission ab Juli 2028 verboten; das markiert einen festen Zeitplan zur Durchsetzung.
Praktische Anforderungen und Schutzmechanismen
Reservedeckung, Einlösegarantie und Insolvenzregeln
Das Gesetz verlangt eine vollständige Reservedeckung (1:1) durch hochliquide Mittel wie Bargeld, Sichtguthaben bei versicherten Banken, kurzfristige US‑Staatsanleihen und staatlich zugelassene Geldmarktfonds. Rehypothekarisierung ist verboten; Reserven müssen getrennt gehalten werden.
Kunden erhalten ein Recht auf Rücktausch in Fiat, monatliche Offenlegung der Reservezusammensetzung sowie externe Prüfungen und CEO/CFO‑Zertifizierungen. Bei Emissionsvolumen über 50 Mrd. USD sind geprüfte Abschlüsse nach US‑GAAP vorgeschrieben.
Eine Besonderheit ist der Insolvenzschutz: Hinterlegte Reserven gelten nicht als Insolvenzmasse, Coin‑Inhaber erhalten einen Super‑Priority‑Anspruch. Diese Regelung soll Verbraucherschutz stärken und Vertrauen in die Emittenten erhöhen.

Geopolitische und wirtschaftspolitische Folgen für Regierungen und Zentralbanken
Dollar‑Dominanz, Risiken für den Euro und Handlungsoptionen Europas
Weil der GENIUS Act Reserven auf US‑Dollar und kurzfristige US‑Staatsanleihen fokussiert, dürfte die Nachfrage nach US‑Papieren zunehmen und die Stellung des Dollars international stärken. Märkte schätzen, dass das Angebot an Stablecoins von rund 230 Mrd. USD (2025) deutlich wachsen könnte — mit Projektionen bis zu 2 Bio. USD bis Ende 2028.
Für die Eurozone bedeutet das eine strategische Herausforderung: Wenn US‑Dollar‑Stablecoins in Europa als Zahlungsmittel, Settlement‑Asset oder Renditevehikel verbreitet werden, könnte dies die geldpolitische Steuerung erschweren und langfristig die monetäre Souveränität schwächen. Die Europäische Zentralbank und Aufseher warnen vor der Ablösung von Bankeinlagen durch zinsbringende Stablecoin‑Produkte, was die Finanzstabilität bedrohen kann.
Als Reaktion empfiehlt sich unter anderem die Förderung seriöser, regulierter Euro‑Stablecoins und die Beschleunigung eigener Infrastrukturprojekte wie den Eurosystem‑Initiativen Pontes und Appia. Gleichzeitig fordert die Debatte stärkere internationale Koordination in der Regulierung digitaler Währungen — ein Punkt, auf den auch das BIS in seinem Jahresbericht 2025 hingewiesen hat.
Für Unternehmen und Regulierer bietet die aktuelle Lage auch Chancen: Wer rechtssicher und transparent agiert, kann in einen durch Regeln gestützten US‑Markt eintreten — vorausgesetzt, Emittenten halten Reserven bei US‑Instituten und erfüllen OCC‑Registrierungen sowie AML‑Pflichten.
Weiterführende Informationen zur regulatorischen Entwicklung finden Sie in einer aktuellen Regulierungsübersicht sowie zur staatlichen Kontrolle von Kryptowährungen in Europa auf staatliche Kontrolle von Kryptowährungen. Diese Quellen ordnen die jüngsten Schritte in einen breiteren internationalen Kontext.
Ausblick: Die Verabschiedung des GENIUS Act macht Stablecoins zu einem festen Thema für Regierungen und Zentralbanken. Entscheidend wird sein, ob Europa zügig eigene, vertrauenswürdige Alternativen schafft und die internationale Abstimmung im Bereich Sicherheit und Regulierung gelingt.




